Grischa Lichtenberger

So wirklich gar nicht irgendein roter Faden
(can a shaman amortizise coins
he collected from the ground)

Zeichnung, Grafik, Video, Rauminstallation, Sound
12.1. – 23.2.2020

Der Ausstellungstitel spielt mit der Idee künstlerischer Identität: dass sich ein stilistischer roter Faden durch ein Werk ziehen würde – oft genug ist dies nur von aussen und viel später nachvollziehbar (während man innen von Zweifel und Fragwürdigkeit umzingelt ist). Gleichzeitig ist der rote Faden eine Metapher für ein biographisches Narrativ, das wie ein Nährfeld oder eine Quelle für die paradoxen Kommunikationen der künstlerischen Arbeit am Unsagbaren wirkt.

Der rote Faden ist aber auch ein Material, das ich in den Installationen verwende. Der rote Faden hilft mir beim zeichnerischen Konjugieren – mit seiner feinen Linie, die er in den Raum ziehen kann, gibt er einer im Raum stattfindenden Arbeit eine quasi diagrammatische Spur.

Das Lot, das ist die gerade Linie, die eine Schwere bemisst: eine direkte Vertikale zum Gravitationskern, zum Zentrum des Schwerwiegenden, zum Schwergewicht eines plastischen Objekts, zum Schwerwiegbaren, aber immer wieder Anziehenden, geschuldet einer biographischen Situation, eine Konjunktion, ein Derivat der Sprache.

In der Ausstellung sind Arbeiten der jüngeren Vergangenheit zu sehen, die sich mit der Allgegenwart einer von Technologie bemessenen Welt, dem Internet, dem Digitalen, beschäftigen. Im spielerischen Umgang suche ich danach, ihnen den Charakter der Überwältigung zu nehmen und sie mit einer Intimität, einer menschlichen Produktion in Verbindung zu setzen.

Im zweiten Schritt werden Elemente beigeordnet, die mit meiner Kindheit und Jugend in Steinhagen zu tun haben. Man könnte sagen Fetisch-Objekte, die konstitutiv für das Verhältnis zu den Gegenständen waren, mit denen ich in meiner Kunst umgehe: Heizlüfter an denen ich mich in dem ansonsten heizungslosen Bauernhaus wärmte und die gerappelt haben, bilden die Grundlage für eine Soundinstallation; der Wald, der die Handschrift meiner eingetretenen Pfade trug, bildet die Grundchiffre einer Landschaftlichkeit für abstrakte Zeichnungen; ein Teppich aus der Holzwerkstatt meines Vaters als (Ur-)Symbol einer Raumzone installativen arbeitens. in diesen Gegenüberstellungen möchte ich gerne beleuchten, ob und wenn ja wie, sich so ein roter Faden in meinen Arbeiten herausgebildet hat.