pictura linearis

18.1. – 8.3.2026
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13 künstlerische Positionen
Die Zeichnung als eigenständiges Werk in der zeitgenössischen Kunst, ist das Thema der aktuellen Ausstellung im Kunstverein Kreis Gütersloh.
Gezeigt werden Arbeiten von 13 Künstlern, deren Herangehensweise an den zeichnerischen Prozess kaum unterschiedlicher sein könnte. Von abstrakt bis gegenständlich entstehen die Zeichnungen durch Körperbewegung, Abbildung, Naturstudien, mathematische Anordnungen, erzählerisch, experimentell, alte Techniken in Videokunst adaptiert bis hin zu 3D Zeichnungen.
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Eröffnung: So., 18.1.2026 um 16:00 Uhr
Begrüßung: Friedrich Wilhelm Schröder, Vorstand Kunstverein
Die Künstler sind anwesend.
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Die ausstellenden Künstler sind:

Matthias Lars Anders, Joosephine-Henriette Becker, Emmy Bergsma, , Susanne von Bülow, Marc Bühren, Caro Enax, Peter Karpinski, Jakob Kirchheim, Eva Lause, Jasper Tiemeyer, Marion Tischler, Isabel Schober, Robert Stieve

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Matthias Lars Anders

Anders fragt in seinen Arbeiten nach dem Entstehen von Bildern, ihrer Wirkung und ihrer Realität. Mit den Mitteln der Collage, im engeren wie im weiteren Sinne, verbindet er nicht nur Materialien miteinander, sondern auch Arbeitsschritte werden übereinander, nebeneinander, in Schichten und Wiederholungen arrangiert. Die so geschaffenen Bildräume setzen sich mit Themen der Zeichnung und Malerei auseinander und ergründen die Wesenheit im Abstrakten. Die überwiegend kleinformatigen, detailreichen Arbeiten erinnern in ihrer Komposition, ihrer Farbigkeit und der Bewegung einzelner Elemente an melodiöse Narrationen. Motivisch entwickeln sich diese, mitunter zu fiebrigen Landschaften oder rätselhaft anmutenden Schriftzeichen.

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Joosephine-Henriette Becker

In dieser Reihe setzt sich die Künstlerin gleich auf mehreren Ebenen mit dem Themenkomplex der Angst auseinander:
Als Motiv dient die Handlung des in 200 Kurzgeschichten unterteilten Anthologie-Podcasts „The Magnus Archives“ von Rusty Quill und Jonathan Sims, in denen das Thema Angst in unterschiedlichsten Ausprägungen beleuchtet wird.So ist der Prozess dieser Arbeitsreihe, die ebenfalls auf 200 Werke ausgerichtet ist, außerdem ein performativer Akt der die mühsame und schrittweise Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten widerspiegelt. Zu diesem Zweck filtert die Künstlerin zunächst inhaltliche Kernaspekte jeder Episode heraus, um die Handlung der jeweiligen Kurzgeschichte aus einer Abfolge in eine Gleichzeitigkeit zu überführen, die Betrachtende einlädt sich auch ohne Vorkenntnisse ihren Ängsten zu stellen.Das Ziel dieser Arbeitsweise geht dabei über die reine Illustration der Handlung hinaus: Sie präsentiert die Auseinandersetzung mit Ängsten und Überwindung der aus Ängsten resultierenden Handlungsunfähigkeit als ein allgegenwärtiges Thema in der menschlichen Lebensrealität.

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Emmy Bergsma /Susanne von Bülow

Das lichte Dickicht

Im Kontext des Projektes „Ab ins Dickicht“ realisierten Susanne von Bülow und Emmy Bergsma auf einer 7 x 4 Meter großen Plane eine ebenso freie wie transparente Zeichnung mit Benzinstiften auf Folie: das lichte Dickicht.

Anders als in ihren experimentellen Begehungen des Dickichts, in dem sie das Dickicht in der stacheligen Enge selbst abbilden, entwickeln Bergsma und von Bülow hier das Gestrüpp auf einer lichten monumentalen Plane, die sie beidseitig und partiell gleichzeitig, Blatt für Ast und Stöckchen für Stock, Strich für Strich in einem doppelten Dialog aufzeichnen.

Der Dialog zwischen Mensch und Natur ebenso wie der Dialog zwischen den beiden Künstlerinnen wird hier auf einer 28 quadratmetergroßen Fläche wirksam

– und wenn mit jedem Strich die relative Durchsicht der Folie abnimmt, bleibt dennoch ein lichtes Kunstwerk zurück, welches ebenso undurchdringbar wie durchsichtig, ebenso plastikplanenbedingt hermetisch wie lichtpermeabel offen zugleich ist –

ein Werk, das nie ohne seinen dahinter oder davorliegenden Kontext sichtbar und wirksam sein kann.

Die räumliche und formale Kontextdependenz des Kunstwerks aus Plastik und Benzinstiften korreliert mit den natürlichen Formen und folgt einer insofern transzendentalen Dialektik, als nur eine dünne Folienwirklichtkeit die physische Begehbarkeit übersteigt – wir sehen die andere Seite, die wir aber niemals direkt – sondern nur durch das Entlangschreiten und Umrunden und durch Umwege erreichen können. Und erreichen wir die neue Perspektive auf der anderen Seite gilt gleiches beim Blick durch das lichte Dickicht zurück. Das Trennende selbst verbindet die Undurchdringbarkeit zu einer räumlich und zeitlich wirksamen Erfahrung der wechselnden Wahrnehmungen. Aus dem Dickicht, nach dem Dickicht, durch das Dickicht – lichtes Licht im Dickicht: das lichte Dickicht.

Diese monumentale Zeichnung auf transparenter Folie ist Teil des langfristigen Projekts Into the Thicket, das Susanne von Bülow (Münster) und Emmy Bergsma (Zwolle, NL) in den Jahren 2024 und 2025 im Auftrag von DA Kunsthaus, Kloster Gravenhorst in Hörstel realisierten.

Im Rahmen dieses Projekts begaben sich beide Künstlerinnen regelmäßig in dichtes Strauch- und Dickichtgelände – eine „terra incognita“ unmittelbar neben den vertrauten Wegen. Durch Zeichenperformances und gezeichnete Filme erkundeten sie diese schwer zugänglichen Räume aus künstlerischer Perspektive. Hinter einer ersten, nahezu undurchdringlichen Schicht aus Dornen, Zweigen und Gestrüpp suchten sie Orte, an denen sie verweilen konnten, um die Welt von innen heraus zu beobachten und im Zeichnen in einen Dialog mit der sie umgebenden Natur zu treten.

Das Projekt berührt verschiedene Bedeutungsebenen. Das Eindringen ins Dickicht ist für viele eine Erfahrung aus der Kindheit – auf der Suche nach einem verlorenen Ball oder einem Versteck. Für Erwachsene bedeutet dieser Akt sowohl eine Rückkehr in vergangene Zeiten als auch die Wiederentdeckung einer weitgehend vergessenen und zugleich fremd gewordenen Welt. Zugleich stellt das Projekt Fragen nach der heutigen Beziehung des Menschen zur Pflanzenwelt.

So wenig komfortabel der Aufenthalt im Dickicht auch ist, das Umgebensein von Natur, fernab anderer Menschen, wird zu einer intensiven, beinahe spirituellen Erfahrung.

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Marc Bühren 

In der Rauminstallation ens reale wird der Ausstellungsraum selbst zum konstitutiven Gestaltungselement. Die filigrane, feinnervig anmutende Struktur der Arbeit entsteht mittels manueller 3D-Drucktechnik aus Biokunststoff und wirkt, als sei sie direkt in den Raum gezeichnet. Linien lösen sich von der Fläche, werden körperlich erfahrbar und entfalten sich als räumliche Zeichnung zwischen Skulptur, Grafik und Installation.

Ausgangspunkt der Arbeit ist die philosophische Auseinandersetzung mit dem Begriff des „ens reale“ aus der frühen Scholastik – dem real Seienden, das unabhängig von Vorstellung, Abbild oder Zuschreibung existiert. Diese ontologische Fragestellung übersetzt der Künstler mit zeitgenössischen gestalterischen Mitteln in eine räumliche Erfahrung: Eine auf das Wesentliche reduzierte Zeichnung eines kopflosen männlichen Aktes wird in manueller 3D-Technik vielfach reproduziert und als serielle, hintereinander gestaffelte Struktur im Raum installiert.

Durch die Überlagerung und Wiederholung entstehen Verschiebungen von Wahrnehmung, Fragmentierung und Verdichtung. Je nach Standpunkt eröffnen sich dem Betrachter unterschiedliche Blickachsen und Interpretationsebenen – zwischen Körper und Linie, Präsenz und Auflösung, Individualität und Typus. Der fehlende Kopf verweigert Identifikation und Individualpsychologie und lenkt den Fokus auf Körperlichkeit als Träger von Existenz.

Im Kontext zeitgenössischer Kunst positioniert sich eins reale als bewusster Gegenentwurf zu einer zunehmend bildbasierten, virtuellen Selbstverortung. Während viele aktuelle künstlerische Strategien mit Simulation, Avatarisierung und digitaler Identitätsproduktion arbeiten, insistiert diese Arbeit auf der physischen Präsenz von Körper, Raum und Material. Die fragile, manuell erzeugte Struktur widersetzt sich der glatten Perfektion digitaler Oberflächen und verhandelt Authentizität nicht als Pose, sondern als leiblich-räumliche Erfahrung. Ens reale verschiebt damit die Frage nach Selbstdarstellung in den Bereich des konkret Erfahrbaren und knüpft an zeitgenössische Diskurse zu Körper, Wahrnehmung und Realität im Spannungsfeld zwischen analoger Existenz und digitaler Repräsentation an.

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Caro Enax

Als Zeichnerin interessiert mich die Reduktion auf das Ursprünglichste, das Wesentlichste der Zeichnung: die zeichnerische Spur als sichtbare Manifestation einer Körperbewegung auf einem Untergrund, die Linie als Relikt einer flüchtigen, vergänglichen Handlung. Es geht immer um das Zeichnen, nicht darum, eine Zeichnung zu machen. Der Prozess bestimmt das Resultat; es gibt kein Zielbild, lediglich eine Ahnung der Richtung, in die ich loslaufen möchte. Die Serie entwickelt sich von dort aus wie eine Wanderung ohne Karte durch unbekanntes Terrain. Im Verlauf der Arbeit tauchen Abzweigungen auf, es gibt plötzliche Richtungsänderungen, Sackgassen und unterschiedlich gut geeignetes Gelände, immer wieder müssen Entscheidungen getroffen werden, permanent erfolgt die Konfrontation mit neuen Situationen, auf die reagiert werden muss. Die Erfahrungen, die ich in einem solchen Prozess mache, sind die eigentliche treibende Kraft hinter meiner Arbeit. Die Erforschung der ureigenen Eigenschaften verschiedener Zeichenmedien im Dialog mit meinem zeichnenden Körper, die Möglichkeiten und Grenzen ihrer gemeinsamen Spuren auf dem Papier bieten ein endloses Experimentierfeld um Faktoren wie Rhythmus, Dichte und Komplexität.

Die Arbeiten der Serie Unterströmung arbeiten ausschließlich mit auf ein Minimum reduzierten Mitteln, dem mehr oder weniger vorhandenen Schwarz-Weiß-Kontrast von Graphit bzw. Kugelschreiber auf Papier, der variierenden Verdichtung der Linien und der Bewegungsrichtung und -geschwindigkeit  der zeichnenden Hand, die in der Linie sichtbar wird. Jede meiner beiden Hände führt dabei einen Stift, die abwechselnd in schneller Folge wieder und wieder das Papier streifen. Diese Arbeitsweise, sowohl die Beidhändigkeit als auch die Geschwindigkeit der Bewegung, sorgt dafür, dass meine Kontrolle über das Geschehen auf dem Papier begrenzt ist und neben meinem bewussten Handeln immer auch noch etwas anderes Unkontrollierbares mitwirkt. Es entsteht ein intensives Zwiegespräch mit der Zeichnung, die naturgleich in alle Richtungen wächst, sich entwickelt und verändert und mich mit immer neuen Situationen konfrontiert, die eine immer neue intuitive Reaktion verlangen.

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Peter Karpinski

Peter Karpinski untersucht in seinen Arbeiten Strategien akkumulativer Eskalation: Linien verdichten sich zu organischen Topographien und durchpflügen das Feld zwischen Umriss, Chiffre, Notat und Figuration – Zeichnung als Methode und Zustand, in dem Karte und Gebiet verschmelzen.
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Jakob Kirchheim

„Rutas simultán“ (Simultanes Hin und Her) zeigt eine Busfahrt zwischen Madrid und Valencia anhand animierter Linolschnitte. Der Film vermittelt die Vorahnung einer Krise, den Ausverkauf der Landschaft, das Absterben alter Industrien und des Landlebens. Die Figur des „Zorro“ erscheint im Bus-TV und integriert sich in die Wahrnehmung der Landschaft. Die Bilder bewegen sich von Madrid in Richtung Valencia. Beim Zwischenstop erklingt ein Gedicht von Teresa Delgado in umgekehrter Fahrtrichtung. Nachbilder, verlassene Zementfabriken, die Wahrnehmungen kreuzen sich.
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Eva Lause

In ihren Zeichnungen erforscht Eva Lause das ästhetische Potenzial der Linie, indem sie ein System selbst entwickelter Regeln anwendet und mit diesem spielt. Jede ihrer Werkserien basiert auf einer leichten Abwandlung des vorherigen Systems. Hierfür ändert sie meist ein Element oder eine Bedingung und schafft so immer neue visuelle Konstellationen und Effekte.

Im Mittelpunkt ihrer Methode stehen die Wiederholung und Variation: Unzählige Linien werden freihändig und in einem regelmäßigen Rhythmus gezeichnet. Dabei entstehen in einem sich wandelnden Handlungsrahmen Spannungsfelder zwischen Chaos und Ordnung, Freiheit und Kontrolle sowie Leere und Fülle.

Während sich ihre frühere Praxis auf die Interaktion zwischen schwarzer Tinte und weißem Papier konzentrierte, integriert sie in ihren jüngsten Arbeiten Farbe als zusätzliche Komponente. Durch diese Erweiterung strebt Lause nach neuen Ebenen von Rhythmus, Komplexität und Atmosphäre und treibt ihre Erforschung der Ausdruckskraft und des Potenzials der gezeichneten Linie weiter voran.

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Jasper Tiemeyer

Die Reihe „heute so wie gestern“ ist eine experimentelle Erforschung des eigenen Wesens durch die direkte, intuitive Umsetzung des Zeichners Jasper Tiemeyer auf einer fortlaufend entstehenden Zeichnung. Auf einer Papierrolle, die während des Prozesses Stück für Stück abgerollt wird, entstehen Zeichnungen mit Graphit. Weiße Acrylfarbe dient als gestalterisches Mittel, um Bereiche zu verdecken, hervorzuheben oder in den Hintergrund zu bringen. Der Zeichner verzichtet bewusst auf eine Planung seiner Arbeitsschritte oder Reflexion des bisher Gezeichneten, um den persönlichen Zugriff auf das Medium zu erreichen. Er versteht sich selbst als permanenter Beobachter seiner Umwelt, wodurch die Zeichnung zu einer bildenden Auseinandersetzung mit den Strukturen unserer Gesellschaft wird.

Die Arbeit ist der Versuch einer ästhetischen Umsetzung und Reflektion der Kombination von persönlichem Ausdruck und den ständigen Einflüssen der eigenen Umwelt, sowie globaler Ereignisse.

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Marion Tischler

Marion Tischlers Werke haben sich aus der Beschäftigung mit zeitgenössischer digitaler Kultur entwickelt. Sie untersucht die Auswirkungen digitaler Medien und Technologien auf unser Bewusstsein, unsere sozialen Beziehungen und den Blick auf uns selbst. Hauptaugenmerk richtet die Künstlerin dabei auf Bildphänomene wie Selfies, Icons, Emojis, Cyberfaces und Avatare.

Soziale Medien bieten ein riesiges Spiel- und Testfeld für die Verschleierung und Manipulation von Identitäten. Wie folgend beschreibt es Andrea Köhler in ihrem
Buch VOM ANTLITZ ZUM CYBERFACE-DAS GESICHT IM DIGITALEN ZEITALTER:
„Der zunehmende Einsatz von Schönheitschirugie, Photoshop oder KI generierten Deep Fakes degradiert das reale Antlitz zum bloßen Material.“

Das Gesicht im Zeitalter der technischen Manipulierbarkeit zeigt nicht mehr wer
man ist, denn Identität lässt sich aktiv gestalten. Der technische Fortschritt bietet
die Möglichkeit eine bestimmte Version des Selbst zu präsentieren und ermöglicht
das Jonglieren mit Identitäten im Spannungsfeld von Zeigen und Verhüllen.

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Isabel Schober

Meine Arbeit ist von Alltagssituationen, Gefühlen und Bedürfnissen inspiriert. Die Bildsprache wird durch Symbole und Alltagsgegenstände ergänzt. Ich thematisiere häufig Geschlechterrollen, Identitätssuche, Stereotypen oder Grundbedürfnisse wie Bindung, Autonomie oder Gefühle wie Angst und Sehnsucht. Ich versuche, ihnen näherzukommen, indem ich sie auf einfache Formen reduziere.
Darüber hinaus beschäftigt mich immer wieder der Körper selbst.
Für mich ist er Heimat, Behälter, Werkzeug, Vehikel, Kommunikationsmittel. Er ist fast immer in Bewegung, kann bekleidet und geformt werden und Teile unserer Persönlichkeit repräsentieren. Manche können wir wählen, manche müssen wir akzeptieren.
Neben meinen eigenen Lebenserfahrungen beschäftige ich mich mit präkolumbianischer Kunst, altägyptischen Wandmalereienund indigener afrikanischer Kunst.

Ich interessiere mich für ihre Ästhetik im Allgemeinen und die oft vereinfachten, symbolischen Darstellungen von Menschen und Tieren oder Mischwesen, Hybriden. Ebenso für die Darstellung des Alltags oder einzelner Handlungen.

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Robert Stieve

Im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung des Bildhauers und Zeichners Robert Stieve stehen Menschenbilder und ihr Wandel. Seine Kunst ist angetrieben von Fragen nach dem Verhältnis von Identität, Individuum, Körper und Subjekt.

Am Medium Zeichnung schätzt er das Nichtgreifbare, die aus ihrer „Immaterialität“ resultierenden Freiräume. Es geht ihm nicht um das Abbilden, er spürt dem Nichtdarstellbaren nach. Robert Stieve schätzt das Skizzenhafte, Offene, die Schnelligkeit und Spontanität, die das Zeichnen ermöglicht. Zeichnen ist hier Denken, ein Akt des Fragens und Suchens, nicht des Behauptens – immer auch die Möglichkeit des Scheiterns einbeziehend.

In den ausgestellten Zeichnungen verwendet Robert Stieve selbstgebaute Werkzeuge in denen mehrere Pinsel oder Stifte eingespannt und geführt werden können. Mit ihnen entstehen beim Zeichenvorgang parallele Linien. Konturen vervielfachen sich, irritieren und erzeugen den Eindruck von Unschärfe. Die Zeichnungen haben etwas Unentschiedenes, Unabgeschlossenes, das nicht mit Gleichgültigkeit zu verwechseln ist. Es entstehen irritierende, latent beunruhigende Bilder, die nach der Identität fragen und die unserem diffusen Unbehagen an der Gegenwart, an einer uns entgleitenden Welt Ausdruck zu geben scheinen.